Gesunder Darm (2): Natürliche Geburt vs Kaiserschnitt

Gesunder Darm (2): Natürliche Geburt vs Kaiserschnitt

Bild: brooklyn / flickr / CC BY-SA 2.0

Die Art der Geburt hat bis ins Erwachsenenalter sehr große mikrobielle Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

 

Natürliche (vaginale) Geburt

Kommt das Baby auf natürliche Weise zur Welt, dann dreht es während dem Geburtsvorgang das Gesicht Richtung Rektum der Mutter. So nimmt das Kind über Nase und Mund Bakterien aus Vagina und Rektum auf. Eine natürliche Geburt sorgt dafür, dass das Baby mit Mikroorganismen „geimpft“ wird. Dieser Aufnahme ist zwar kurz jedoch außerordentlich wichtig. Vaginal geborene Babys sind mit vielen „guten“ Bakterien besiedelt. Dies ist ein wichtiger erster Schritt damit sich das Immunsystem bilden kann.

Die ganz spezielle Mikrobenmischung der Mutter bildet die Grundlage für den Aufbau der eigenen Darmmikrobiota des Kindes, die im Prinzip lebenslänglich unverändert bleibt. Die Bakterien der Mutter helfen dem Baby, den Milchzucker und spezielle Kohlenhydrate in der Muttermilch zu verdauen.

 

Kaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt kann Leben retten. Die Vor- und Nachteile sollten jedoch sorgsam abgewogen werden, wenn man plant Kinder zu haben oder man sich als Schwangere über die Geburt Gedanken macht. Wissenschafter forschen derzeit, ob ein Kaiserschnitt dem Gehirn eines Babys schadet.

Bisher weiß man nur, dass Kinder die per Kaiserschnitt geboren werden stärker mit ungünstigen (Krankenhaus-) Keimen besiedelt sind, z.B. Staphylokokken, die eher dafür bekannt sind, Krankheiten auszulösen, als der Gesundheit zuträglich zu sein.
Sie bekommen ihre „Grundausstattung“ an Mikroben nur von der Haut der Mutter, der Hebamme, von Ärzten und Krankenschwestern und anderen Neugeborenen im Krankenhaus.
Man weiß auch, dass es länger dauert, bis sich nützliche Bakterien wie Bifidobakterien im Darm der Kaiserschnitt-Kinder ansiedeln als bei vaginal geborenen Kindern.
Diese Kinder sind auch häufiger mit dem gefährlichen Darmkeim Clostridium difficile im Darm befallen.
Und sie haben häufiger Krankheiten wie Asthma, Allergien, Fettleibigkeit (50% höheres Risiko als natürlich geborene Kinder), Typ-1-Diabetes und verschiedene Autoimmunerkrankungen.
Wird das Baby auch noch später mit Antibiotika behandelt (mehr dazu im Teil (4)!!), bedeutet dies ein doppelter Schlag gegen die Mikrobiota und ein noch höheres Risiko für spätere Krankheiten.

Da der Zeitpunkt der Besiedlung mit den richtigen Bakterien so bedeutend ist, hatte die Mikrobiologin Dr. Maria Gloria Dominguez-Bello eine geniale Idee: ein Gazetupfer wird direkt nach der Geburt mit der Scheidenflüssigkeit der Mutter getränkt und die Kaiserschnittbabys werden sofort damit eingerieben. Dr. Dominguez-Bello hat viel zu den Themen Darmmikrobiom, Kaiserschnitt und natürliche Geburt geforscht. Weitere Studien von ihr können Sie in der Suchmaschine „pubmed“ finden. Momentan weiß man, dass sich irgendwann die Kaiserschnitt-Kinder nicht mehr von denen unterscheiden, die durch eine natürliche Geburt zur Welt kamen. Was man noch nicht weiß ist, ob das Risiko von späteren Krankheiten minimiert wird wenn man die Babys sofort mit Scheidenflüssigkeit der Mutter einreibt. Dazu forscht die Mikrobiologin derzeit.

Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, wird Sie das folgende Video interessieren. Dr. Maria Gloria Dominguez-Bello beantwortet Fragen zu ihren Forschungen. Unser erstes „Geburtstagsgeschenk“ sind die Mikroben unserer Mutter, mit denen wir regelrecht überflutet werden. Obwohl das Video in englisch ist, werden Sie alles verstehen, da es mit sehr eindrucksvollen Bildern arbeitet.

 

Alle Artikel aus der „Gesunder Darm“-Artikelserie:
Teil 1: Schon in der Schwangerschaft den Grundstein legen
Teil 2: Natürliche Geburt vs. Kaiserschnitt
Teil 3: Stillen oder Flasche geben?
Teil 4: Sodbrennen, Blähungen und Antibiotika bei Babys
Teil 5: Dos and Don’ts bei Kleinkindern
Teil 6: Darmsanierung Kinder und Erwachsene

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Quellen:
– Chutkan, Robynne: Das Mikrobiom – Heilung für den Darm : der revolutionäre Weg zu neuer Gesundheit von Innen heraus. Kandern: Unimedica, 2017. ISBN 978-3-946566-22-9
– Mayer, Emeran: Das zweite Gehirn : wie der Darm unsere Stimmung, unsere Entscheidungen und unser Wohlbefinden beeinflusst. München: Riva, 2016. ISBN 978-3-7423-0017-1
– Gröber, Uwe: Arzneimittel und Mikronährstoffe : medikationsorientierte Supplementierung. Stuttgart, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 4., aktualisierte und erweiterte Aufl. 2018. ISBN 978-3-8047-3719-8

 

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